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Zugreisen

Mit dem Nightjet nach Wien – Wie gut schläft man wirklich im Nachtzug?

Seit einigen Jahren verkehrt der neue Nightjet zwischen Hamburg und Wien – durchaus eine bequeme Alternative zum Flugzeug. Nach anfänglichen Schwierigkeiten hat sich der Betrieb inzwischen eingespielt. Und für mich war klar: Diesen Nachtzug will ich selbst erleben!
Also schnappe ich mir meine Tochter und wir fahren gemeinsam im Comfort-Schlafwagen rund 12 Stunden durch die Nacht.

Wie unsere Nightjet Erfahrungen waren, wie gut man tatsächlich im Nachtzug von Hamburg nach Wien schläft – und ob sich die Fahrt lohnt, all das erfährst du in diesem Beitrag.

In diesem Beitrag

ÖBB Nightjet von Hamburg nach Wien

Der Nightjet ist der Nachtzug der ÖBB (Österreichische Bundesbahnen) und verbindet wichtige Städte in Österreich, Deutschland, Italien, der Schweiz, Belgien und den Niederlanden. Die Verbindung Hamburg–Wien ist eine der beliebtesten Strecken – besonders für alle, die nachhaltig, komfortabel und ohne Flugstress reisen möchten. Statt am Flughafen zu stehen, steigt man abends ganz entspannt in den Zug – und wacht am nächsten Morgen mitten im Herzen Wiens auf.

Dabei kannst du je nach Bedürfnis und Budget aus verschiedenen Komfortklassen wählen: Sitzwagen, Mini Cabins, 4er Liegewagen (ideal für Familien) und das Comfort Abteil mit Platz für zwei Personen. Wahlweise mit und ohne seperater Dusche. 

Eigentlich beginnt die Fahrt in Hamburg-Altona, doch aufgrund von Bauarbeiten während der Märzferien startet der Nightjet erst in Hamburg-Harburg. Da ich mir über das gastronomische Angebot am Abend nicht ganz sicher war, besorgen wir uns vor der Abfahrt im Rewe um die Ecke noch Sushi und Wasser – sicher ist sicher.

Bahnhof Hamburg Harburg
Bahnhof Hamburg Harbug

Als wir am Bahnsteig von Gleis 4 ankommen, ist bereits einiges los: Viele Reisende sind schwer bepackt und mit Skiern unterwegs. Unter den Fahrgästen sehe ich auch zahlreiche Familien mit Kindern – das bietet sich an, denn in den Abteilen kann man sich gut bewegen und im Zug schläft es sich deutlich besser als im Auto.

Bahnhof Hamburg Harburg-2
Bahnhofsromantik
Bahnhof Hamburg Harburg Nightjet
Einfahrt Nightjet

Der Zug ist in zwei Teile unterteilt: Der hintere Zugteil fährt nach Innsbruck, während der vordere – mit uns an Bord – nach Wien unterwegs ist. Die Trennung erfolgt in Nürnberg, wo zudem der Nightjet aus Amsterdam mit unserem Zug zusammengeführt wird.

Nightjet Comfort Abteil

Der Zug fährt ein und wir suchen unseren Wagen 412 und das Abteil 2 mit den Plätzen 21 und 22 – es ist der vorletzte Waggon. Der erste Eindruck ist ganz positiv, alles sieht noch ganz neu und modern aus. 

Das Comfort Abteil im Nightjet besteht aus zwei Betten, einer kleinen Sitzecke und einem eigenen Bad mit WC und sogar einer Dusche. Die Betten sind bereits bezogen und auf dm Tisch stehen zwei Tüten mit Dingen für die Nacht, doch dazu später mehr. 

Nightjet Comfort Abteil_-2
Nightjet Comfort Abteil

Ich habe mir für die Nacht das untere Bett ausgesucht – und bin ehrlich gesagt ganz erleichtert: Es ist überraschend großzügig geschnitten. Mit meinen knapp 1,90 m passe ich bequem rein und hoffe auf eine halbwegs erholsame Nacht.

Auf dem Bett liegen ein kleines Handtuch und ein Kleiderhaken, und am Kopfende entdecke ich eine Steckdose, einen USB-A-Anschluss und sogar eine Halterung für kabelloses Laden – ziemlich praktisch! Das Fenster lässt sich mit zwei Rollos unterschiedlich stark abdunkeln.

Nightjet Comfort Abteil_
Komfortable Sitzplätze

Meine Tochter und ich machen es uns gemütlich. Die Handgepäckskoffer lassen sich problemlos unter dem unteren Bett verstauen, unsere Rucksäcke passen unter den kleinen Tisch. Die Jacken hängen wir an die Haken an der Wand. So herrscht auf den gut vier Quadratmetern zumindest halbwegs Ordnung.

Nightjet Comfort Abteil_-3
Oberes Bett

Wer oben schlafen möchte, klettert über eine kleine Leiter hinauf. Das obere Bett wirkt genauso groß wie das untere und bietet die gleiche Ausstattung: Steckdose, USB-Anschluss und sogar kabelloses Laden – sehr durchdacht.

Ein Gurtsystem soll eigentlich dafür sorgen, dass man nachts nicht herausfällt. Leider ist bei uns einer der Haken kaputt, sodass sich der Gurt nicht richtig befestigen lässt. Nicht ideal, gerade wenn Kinder oben schlafen sollen.

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Waschbecken
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Sauberes WC

Das kleine Badezimmer überrascht mich positiv: Es ist sauber, ordentlich und erstaunlich durchdacht. Auf minimalem Raum gibt es ein Waschbecken, eine Toilette und sogar eine Dusche.

Getestet habe ich sie aber nicht – ehrlich gesagt hatte ich keine große Lust, am nächsten Morgen das halbe Bad unter Wasser zu setzen.

Mini Cabins im Nightjet

Eines der spannendsten Konzepte im Nightjet sind für mich die sogenannten Mini Cabins – insgesamt 84 Stück gibt es davon im Zug.

Im Grunde sind es kleine Schlafkapseln, ideal für Alleinreisende oder Paare. Die Ausstattung ist schlicht, aber durchdacht: eine bequeme Liegefläche, ein Kissen und eine dünne Decke. Was mir besonders gefällt: Man hat seine Ruhe. Viel Privatsphäre auf kleinem Raum.

Handgepäck und Schuhe bleiben draußen – clever gelöst, damit der Schlafbereich angenehm sauber und aufgeräumt bleibt.

Nightjet Mini Cabins
Nightjet Minicabins
Nightjet Mini Cabins-2
Die Liegefläche in der Mini Sabin

Gastronomisches Angebot

Bevor im Zug langsam Ruhe einkehrt, gönne ich mir noch eine Kleinigkeit aus dem Speisewagen-Angebot. Auf der Karte stehen zwei warme Gerichte – eines davon vegetarisch – dazu Sandwiches und Snacks für den kleinen Hunger.

Meine Wahl fällt auf das Paprikahendl mit Spätzle, dazu eine Apfelschorle. Eigentlich wollte ich ganz bequem bargeldlos zahlen, aber das Lesegerät streikt. Also doch klassisch mit Bargeld – zum Glück hatte ich noch ein paar Scheine dabei.

Nightjet Abendessen
Abendessen

Das Essen kommt zügig, und ich bin ehrlich gesagt positiv überrascht – das Paprikahendl schmeckt wirklich gut.

Bevor ich mich bettfertig mache, fülle ich noch das kleine Kärtchen für das Frühstück aus. Man darf sich sechs Dinge aussuchen – darunter verschiedene Aufstriche, Wurst, Käse und Marmelade. Die Auswahl ist gut, nur bei den Brötchen hätte ich mir ein bisschen mehr Vielfalt gewünscht, denn es gibt nur eine Sorte. Du kannst natürlich auch mehr auswählen, gegen Bezahlung versteht sich. 

Nightjet Frühstück
Frühstück bestellen

Wir befinden uns irgendwo in Niederbayern, zwischen Regensburg und Passau, als ich langsam wach werde. Geschlafen habe ich leider nicht so gut, wie ich es mir erhofft hatte.

Der Waggon selbst ist angenehm leise und gut gefedert. Es war allerdings die Klimaanlage direkt am Fenster, die mir einen unruhigen Schlaf bereitet hat. Schade – denn das Bett an sich hat eine angenehme Größe und Breite, und auch die Bettwäsche war überraschend komfortabel.

Ein Highlight am Morgen: Vom Bett aus die vorbeiziehende Landschaft zu beobachten – das ist wirklich etwas Besonderes.

Nightjet Frühstück-2
Am nächsten Morgen

Als wir Österreich passiert haben, wird das Frühstück von unserem Zugbegleiter auf einem Tablett serviert. Die Brötchen wurden frisch am Bahnhof eingeladen, das konnte ich aus meinem Fenster beobachten. 

Mein Frühstück besteht aus einem Becher Kaffee, zwei Brötchen, etwas Aufschnitt, Frischkäse und einem Joghurt. Im Prinzip alles was man für einen guten Start in dieneue Woche braucht, aber jetzt auch nichts weltbewegendes. 

Nightjet Frühstück-3
Frühstück mit frischen Brötchen

Nach rund einer Stunde Verspätung rollen wir schließlich am Wiener Hauptbahnhof ein. Hinter uns liegt eine Nacht voller Eindrücke, kleiner Herausforderungen und besonderer Momente – definitiv eine Erfahrung, die in Erinnerung bleibt.

Nightjet Hamburg Wien Comfort Abteil
Angekommen in Wien Hbf

Fazit

Die Fahrt mit dem Nightjet war für mich eine spannende und ganz besondere Erfahrung. Das Konzept, über Nacht bequem und (fast) ausgeschlafen in einer anderen Stadt anzukommen, hat definitiv seinen Reiz – vor allem, wenn man die vorbeiziehende Landschaft direkt vom Bett aus genießen kann.

Positiv überrascht war ich von der Ausstattung: Die Schlafabteile sind durchdacht, das Bett angenehm groß und auch die technischen Details wie Steckdosen, USB-Anschlüsse und kabelloses Laden machen den Aufenthalt komfortabel. 

Weniger gut lief es mit der Klimaanlage, die meinen Schlaf gestört hat – schade, denn grundsätzlich bietet das Bett alles, was man für eine erholsame Nacht braucht. Auch kleinere Mängel wie der defekte Gurt im oberen Bett oder das ausgefallene Kartenterminal beim Bezahlen trüben den Gesamteindruck ein wenig, ohne aber das Erlebnis grundsätzlich zu verderben.

Alles in allem war es eine Reise mit Höhen und kleinen Tiefen – aber definitiv eine, die ich so schnell nicht vergessen werde. Und wer weiß: Vielleicht gibt’s ja beim nächsten Mal schon eine ruhigere Nacht. 

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